Ponyliebe

Rezension: Der Dressursitz – Anja Beran

Im November war ich zur 6. Internationalen Fachtagung der Anja Beran Stiftung eingeladen. Es ging in den Zirkus Krone, wo uns Anja Beran und Jana Lacey-Krone verschiedene Pferde mit „körperlichen Baustellen“ präsentierten und zeigten, wie die klassische Dressur proaktiv gegen diese Baustellen einwirken kann und so langfristig ein gesundes, korrekt gerittenes Pferd schafft.

Fotografin: Maresa Mader

Sehr deutlich wurde an diesem Tag klar gemacht, dass diese korrekt gerittene klassische Dressur aber in erster Linie von einem guten, ausbalancierten Sitz abhängt. Ein Sitz, der das Pferd nicht stört, sondern unterstützt. Der in der Lage ist, sich dem jeweiligen Pferd anzupassen und ihm harmonisch in der Bewegung zu folgen.

„Der korrekte, klassische Dressursitz setzt sich aus vier Komponenten zusammen“

Anja Beran sagt klar und deutlich, dass es mit die größte Hürde ist, einen solchen Sitz zu erlangen und dass es vor allem nicht ausreicht, sich nur auf ein Pferd zu setzen! Aus ihrer Sicht setzt sich ein guter, klassischer Dressursitz aus 4 Komponenten zusammen:

  1. Einem guten und fundierten Unterricht durch einen Reitpädagogen, der technische Anleitung und Hilfestellung gibt (im Idealfall sitzt der Reitschüler auf einem erfahrenen und sehr gut ausgebildeten Lehrpferd, um korrekte Hilfengebung zu erspüren).
  2. Haltungs- und Bewegungsschulung, beruhend auf physiotherapeutischen Grundlagen. Empfohlen werden darüber hinaus Ergänzungssportarten, wie Tanzen, die die Haltung weiter positiv fördern.
  3. Einer kontrollierten Atmung
  4. Dem mentalen Aspekt, denn laut Anja Beran beginnt gute Reiterei im Kopf

Genau nach diesen Aspekten ist auch das Buch „Der Dressursitz“ von Anja Beran aufgebaut.

„Der klassische Dressursitz“

 

*

Zu Beginn des Buches geht es rein um den korrekten Dressursitz. Von körperlichen Voraussetzungen hin zum Sitz als Kommunikationsmittel. Es werden korrekte Hilfengebungen für verschiedene Lektionen vorgestellt und aufgezeigt, was häufige Fehler dabei sind und wie man diese vermeiden kann. Ergänzt wird das Kapitel des Sitzes mit Gedanken zur richtigen Atmung und Übungen, die mental den korrekten Sitz fördern und unterstützen sollen.

Im zweiten Teil des Buches wird Frau Beran von der Physiotherapeutin und Tanzlehrerin Frau Brod unterstützt. Zusammen zeigen diese die Anatomie des menschlichen Körpers auf und erklären, wie man Schwachstellen am eigenen Körper ausgleichen kann, um aufrecht und entspannt im Sattel sitzen zu können. Besonders toll finde ich hier den Teil mit den praktischen Übungen, die sehr verständlich erklärt sind und super von den Bildern unterstützt werden. Die Übungen können von jedem im eigenen Wohnzimmer ausgeführt werden und helfen enorm, die Geschmeidigkeit und Kraft des eigenen Körpers zu verbessern und somit langfristig auch den Sitz positiv zu verändern.

Abschließend werden einige Rätsel vorgestellt. Bilder auf denen Lektionen rein durch den Menschen und dessen Hilfengebung dargestellt werden – der Leser soll mit Hilfe des erlangten Wissens raten, welche Lektion hier gerade gezeigt wird. Natürlich gibt es auch eine Auflösung 😉

Prädikat: Empfehlenswert 🙂

Obwohl es ein Fachbuch ist, das sich wahrlich mit keinem leichten Thema auseinandersetzt, kann man das Buch sehr gut lesen. Es ist gut verständlich geschrieben und wird von vielen, wunderschönen Bildern unterstützt, die das Geschriebene sehr gut ergänzen.

Gerade die Übungen für den Menschen finde ich hervorragend und habe bereits einige davon in mein tägliches Minisportprogramm integriert. Aber auch aus dem ersten Teil des Buches konnte ich schon so einiges mitnehmen – bei mir sind das vor allem Kleinigkeiten, so dass ich zum Beispiel wirklich immer nun das innere Bild einer Wasserschale vor mir habe wenn ich im Sattel sitze. Allein das hilft!

Wer sich gerne mit Hilfe von Büchern fortbildet, und mehr über einen guten Sitz erfahren will, dem kann ich dieses Buch nur wärmstens empfehlen! Aus meiner Sicht kann hier wirklich jeder etwas für sich mitnehmen und muss nicht das Gefühl haben, dass nie selbst zu können.

Fotograf: Maresa Mader

Fotografin: Maresa Mader

Wer ist eigentlich Anja Beran?

Anja Beran bildet auf Gut Rosenhof im Allgäu Pferde unterschiedlicher Rassen und Altersstufen nach klassischen Grundsätzen bis zur Hohen Schule aus und blickt dabei auf einen Erfahrungsschatz aus über 27 Jahren zurück. Der Klassischen Dressur widmet sie ihr Leben und ihre gesamte Zeit, ob in der eigenen Reithalle, bei Lehrgängen oder als Buchautorin. 2002 gründete Sie die Anja Beran Stiftung und gibt seither jungen Reitern die Chance, als Eleven auf Gut Rosenhof in sechs Jahren Lehrzeit zu exzellenten Ausbildern heranzureifen.

Ganz nebenbei: Eine liebe Freundin von mir hat ihre Pferde aktuell bei Anja zur Ausbildung stehen und es ist einfach ganz wunderbar zu hören und zu sehen, wie sich die herrlichen Tiere von Vicky verändern, ihren Stolz finden und zu innerer Größe heranwachsen. (Und ganz nebenbei werde ich sie dieses Jahr auch vor meiner Linse haben 😛 )

 

Mehr Meinungen zum Buch kriegst du hier:

Herzenspferd 

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2 Kommentare

  1. Pferdeflüsterei

    Wir lieben Anja Beran auch. Wir waren schon einmal bei einer Tagung von ihr und haben danach ausführlich mit ihr gesprochen. Ihre Ansichten sind spannend und man merkt an jedem Wort, dass sie viel weiß und für die Pferde und ihr Wohlergehen brennt. Das ist schwer sympathisch und hochinteressant. Ich würde ihr nur im Punkt „Gebisslos“ widersprechen, weil ich doch auch glaube, dass hohe Lektionen auch ohne Kandare möglich sind 😉 Aber ansonsten finde ich nahezu alles wunderbar, was sie sagt. Sie ist ein echtes Vorbild! Ganz liebe Grüße und danke für den schönen Artikel, Petra

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  2. Pingback: "Der Dressursitz" von Anja Beran - lohnt sich der Kauf? - Herzenspferd

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