Ponyliebe

Das große M – Motivation im Pferdetraining

Mein Besuch beim Bodenarbeitskurs von Alessa, Miri und Kati mit dem Thema „Kommunikation – Inspiration – Motivation“ hat mich dazu angeregt, mich wieder einmal ganz intensiv mit dem Thema Motivation im Pferdetraining auseinanderzusetzen. Wieso und was meine Gedanken dazu sind, erfahrt ihr im folgenden Bericht 🙂

Positive Verstärkung = Motivation?

Positive Verstärkung heißt, dass man mit dem Pferd in einen Dialog tritt, ihm zuhört und das Verhalten belohnt, welches erwünscht ist oder in dem Moment toll ist. Im Umkehrschluss heißt es also nicht, dass man dem Pferd den freien Willen nimmt. Klar – bei der Erarbeitung eines bestimmten Tricks, wie beispielsweise dem Kompliment, bietet es sich an mit dem Fragekonzept zu arbeiten, dass wenig andere Ideen vom Pferd kommen könnten. Wichtig ist es aber dann, immer wieder reelle Dialogphasen zuzulassen. Nur, wenn dieser Freiraum vorhanden ist, wird das Pferd anfangen, kreativ mitzudenken. Wenn man dann solche Ideen und Vorschläge des Pferdes belohnt, wird es mit immer mehr Motivation mitdenken.

Genau eine solche positive Kommunikationsspirale habe ich beim Bodenarbeitskurs von Alessa Neuner, Miri Cordonnier und Kati Westendorf live gesehen.

Mädchen hält Referat

Miri während des Theorieteils

Miri hat mit dem Vollblutaraber Jimmy gearbeitet. Beide hatten vorher nichts miteinander zu tun, obendrauf kam Jimmy noch nie vorher mit Clickertraining in Berührung. Miris Ziel für diese Einheit war Freiarbeit, basierend auf einem Dialog, geprägt von Sanftheit.

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Zunächst war Jimmy ganz schön (betont) gelangweilt, musste Miri erstmal demonstrieren, wie unspannend sie doch ist. Wieso? Naja, jetzt mal ehrlich – wieso hätte er denn sofort freiwillig mitarbeiten sollen? Miri hätte sich ja auch als total anstregend entpuppen können, als ein Mensch, der ihn scheucht und nicht respektiert. Ich verstehe Jimmy! Aber natürlich hat die Neugier noch gesiegt und er musste dann doch mal schauen, warum dieser Mensch da rumsteht und so betont gar nichts macht – und schwupps, gab es einen Keks. Da wurden die Ponyaugen aber groß – das schmeckt doch nach Spaß und gar nicht nach Arbeit oder Doof!

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Dennoch blieb der Beginn holprig, die Kommunikation zunächst sehr einseitig von Miri aus (die gute Fragen stellte, die Jimmy auch beantwortete, aber irgendwie war er einfach nicht mit dem Herzen dabei).  Man hatte das Gefühl, dass Jimmy Miri zappeln lässt und sich erst von ihr beeindrucken lassen wollte. Aber nicht negativ im Sinne von Desinteresse an einem Dialog, sondern eher wie ein vorsichtiges Abtasten gegenüber der Neuen und ihren Ideen. Ganz davon abgesehen, dass Jimmy schließlich ein schöner und stolzer Araber ist, da kann man ja nicht mit jedem Dahergelaufenen sofort befassen, denen muss man schon erst mal erklären, dass man erhaben ist und der Mensch sich erst als würdig erweisen muss.

Gut gesehen hat man das daran, dass er immer zuerst nur seine Ohren dabei hatte und den restlichen Körper nur nach und nach mitgenommen hat. Die folgenden Bilder zeigen diesen Prozess sehr schön auf – Miri präsentiert ihm die Fahne, seine erste Reaktion darauf ist verhalten, doch nach und nach siegt seine Neugier und die beiden gewinnen an Energie im Miteinander.

Und wie von unsichtbarer Hand gelenkt, kippte dann die Stimmung des Pferdes. Vom verhaltenen Jimmy hin zum engergiegeladenen, stolzen Pferd, dass vor Ideen übersprudelt. Plötzlich wollte Jimmy mitreden und Miri zeigen, was er alles kann und wie toll er eigentlich ist. Wie stolz er wurde, als Miri seine Idee mit dem Steigen annahm und er sich dem begeisterten Publikum präsentieren konnte. <3

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Motivation ist weit mehr!

Für mich war das ein sehr gelungener Dialog. Auch wir Menschen sprechen ja nicht von Anfang an mit jedem fremden Menschen völlig offen oder offenbaren ihnen unser Innerstes. Vertrauen baut sich langsam auf.

Die von mir eingang erwähnte Motivation entstand bei Jimmy hier auf Grund mehrer Dinge: Zum einen hat er Wertschätzung erfahren, immer wieder wurde er gelobt und bestätigt (mit Futter und Stimme), zum anderen hat Miri selbst das Verhalten gespiegelt, was sie sich von Jimmy gewünscht hat. Sie war motiviert, energiegeladen und dennoch sanft. Bekommen hat sie dadurch ein Pferd, das Spaß an der Einheit hatte und über sich hinaus gewachsen ist.

Für mich war genau dies der wichtigste Lernaspekt des Tages: Dem Pferd das zu geben, was man von ihm möchte.

Dafür braucht man als Mensch in erster Linie Authentizität, ein Gefühl für das Energiekarrussell und die eigene Körpersprache, Mut zu Gefühlen und ein großes Maß an Motivation.

 

Mehr Inspiration und Anregung zu diesen Themen findet ihr bei

Alessa Neuner

Miri Cordonnier – die hier auch von ihrer Perspektive über die Einheit berichtet

und

Kati Westendorf.

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