Ponyliebe

Motivator Futterlob: Warum es beim Clickern auch ohne geht, aber mit eben besser. Oder – unsere Inhalationsgeschichte

 _DSC0661_web

Bitte was? Clickern und ohne Leckerli in einer Zeile? Ja – ihr habt richtig gelesen! Und das von mir, der größten Futterbelohnungsverfechterin. Tja. Aber wir sind auf ein Hindernis (das Inhalieren) gestoßen, bei dem es uns nicht möglich war, nach den klassischen Methoden zu arbeiten.

Rán wird seit dem Frühjahr inhaliert, um ihr ein besseres Leben mit ihrer Atemwegskrankheit zu ermöglichen. Klingt nicht so dramatisch, sollte man meinen. Ich füge hinzu: Die Rán, ein extrem kopfscheues Tier, welches nichts mehr hasst, als nach vorne begrenzt zu werden, wird seit dem Frühling inhaliert, bekommt also eine Maske auf, mit Schlauch nach vorne weg und muss stillstehen.

Puh! Aber erstmal von vorne.

Was ist ein Inhalator?

Ein Inhalationsgerät vernebelt Flüssigkeit/Gas/Medizin, welche dann über die normale Atmung aufgenommen werden. Das heißt, man kann entweder die Schleimhäute befeuchten, oder die Atemwegsorgane gezielt unterstützen.

Es gibt verschiedene Inhalatoren – wir haben einen Ultraschallvernebler, den so genannten AirOne mit Akkubetrieb (wir haben ja keinen Strom am Stall!). Dieser vernebelt die Medikamente so fein, dass sie nicht nur in die Bronchien gelangen, sondern auch in  die Alveolen (die Lungenbläschen) – die das „Ende“ des weit verzweigten Atemwegsorgansystems sind. Durch die Inhalation gelangt Medizin also in kürzerer Zeit und wirkungsvoller genau an den Ort, wo sie benötigt wird. Nebenbei benötigt man eine deutlich reduzierte Menge.

Kaufen kann man das Gerät zum Beispiel hier: Hippomed

Auch Klaudia von Two Toned hat in einen AirOne investiert und berichtet darüber auf ihrem Blog.

Pferd beim Inhalieren.

Leider gibt es vom Inhalieren nur doofe Handybilder. Aber ich bringe es einfach nicht übers Herz, das sinnvoll abzulichten. Ich hoffe, ihr versteht das!

Warum brauchen wir ihn?

Rán hat COB, also chronische Bronchitis und daher starke Probleme mit der Atmung. Da es bei ihr auf Grund von verschiedenen, sehr starken Allergien immer wieder auf und ab geht, ist das Inhalieren einfach perfekt, um sie zu unterstützen. Die Feuchtigkeit, gepaart mit den Medikamenten hilft, den angesammelten Schleim zu lösen – und ihr so den Alltag deutlich zu erleichtern!

Je nach Zustand wird Rán mit B-Vetsan oder NaCL inhaliert, zusätzlich erhält sie unterstützend ACC akut, dass wir immer in Online-Apotheken kaufen, weil man dort gut Geld sparen kann (was sich bei unserem Tagesumsatz an ACC durchaus lohnt). Ein zuverlässiger und günstiger Lieferant ist da die Europa-Apotheek. Den Tipp, dass ACC online zu bestellen, haben wir übrigens vom Tierarzt 😉 Ich freue mich ja immer, wenn auch die bemüht sind, den Tierbesitzer zu unterstützen – schließlich hätte unsere Tierärztin uns auch das entsprechende, direkt fürs Tier gedachte Mittel verkaufen können, obwohl dies deckungsgleich und doppelt so teuer wäre. Das ACC ist recht klassisch vertreten in der Behandlung von COB, weil es – ähnlich wie beim Menschen – auch beim Pferd verhindert, dass der Schleim hart oder bröckelig wird und ihn flüssig hält.

(OBACHT: Das ist keine medizinische Auskunft, sondern nur ein Bericht über das, was bei uns aktuell gut hilft und was mit dem Tierarzt gemeinsam erarbeitet wurde! 😉 )

IMG-20150516-WA0005

Wie bringe ich meinem Pferd das Inhalieren bei? Na, mit Clickern natürlich!

Jetzt ist das Inhalieren aber gar nicht so einfach, wie man meinen mag. Denn das Pferd muss dabei für ca. 20 Min. eine sehr enge Maske tragen, durch die Nebel ans Maul gelangt und die seltsame Geräusche macht. Alles in allem ist das also ganz schön unheimlich! Zu Beginn war Rán immer sehr panisch, die nackte Angst stand ihr ins Gesicht geschrieben. Allein das Umlegen des Haltegurtes der Maske hat sie in einen Ausnahmezustand versetzt – viele Westernpferde wären auf das dynamische, meterweise Rückwärtsrichten neidisch gewesen. Was also tun?

Wie wir uns von einem panischen, rückwärtslaufendem Pferd zu einem entspannt dösendem Pferd hochgearbeitet haben (obwohl wir nicht so richtig klassisch mit Futter clickern konnten), beschreibe ich dir heute Schritt für Schritt.

Erste Schritte

Zu Beginn konnten wir noch sehr klassisch mit Clickern arbeiten. An dem Fragenprinzip orientiert, haben wir Rán zunächst das Annähern an das Inhalationsgerät schmackhaft gemacht und dann auch das Kopf tief nehmen.

Das heißt, wir haben ihr die Box des Gerätes gezeigt und sie mit dem etablierten Signal „Touch“ dazu ermuntert, sich dem Gegner zu nähern und ihn zu erkunden. Schnell war die Kiste dann gar nicht mehr doof und konnte das Pony immer begleiten.

Die Übung „Kopf tief“ habe ich bereits sehr ausführlich hier beschrieben.

Im nächsten Schritt haben wir die Maske mit dazu genommen. Hier haben wir lange Zeit mit Anschauen, Anschnuppern, kurz ans Maul halten gearbeitet, um dann vermehrt das Anziehen zu erarbeiten. Bis zu diesem Schritt konnten wir ja immer direkt nach dem Click belohnen, weil wir die Maske ja noch nicht fest angezogen hatten, sondern immer wieder abgenomen haben.

Es wird ernst

Aber ab dem Moment, wo Rán so weit war, die Maske anzuziehen und wir das befestigen des Beatmungsschlauches üben konnten, standen wir vor dem Problem, dass wir kein Futter mehr geben konnten. Diese Masken haben nämlich einen grundlegenden Fehler: Keine aufklappbare Futterluke! Also mussten wir das arme, verwirrte, panische Pony umstellen auf Kraulen und Stimmlob. Ihr könnt euch vorstellen, dass das eine Zeitlang nicht gerade für gute Stimmung gesorgt hat.

Unermüdlich hat Claudia Tag für Tag mit Rán gearbeitet, ihr mit ganz viel Ruhe und Geduld erklärt, dass alles gar nicht schlimm ist. Sie konnte zwar clickern, aber eben nur mit Stimme und Händen loben. Das war ein Punkt, wo ich zum ersten Mal so richtig gesehen habe, wie machtvoll Futterlob ist. Wie viel schneller alles geht, wenn man einen starken Motivator im Training einsetzt. Aber eben auch wie schwindend gering und langsam die Fortschritte sind, wenn dieser fehlt.

Nichtsdestotrotz sind wir nach dem gleichen Prinzip vorangegangen. Eine gesunde Mischung aus Wille, Geduld, Liebe und Energie, gepaart mit extrem viel Ruhe und Behutsamkeit. Und siehe da – mit der Zeit konnte Rán diese Form der Belohnung – in Zusammenhang mit dem Inhalator – immer mehr annehmen. Sicherlich hat mit reingespielt, dass sie mehr und mehr gemerkt hat, wie sehr das Inhalieren ihr hilft, aber auch, weil sie verstanden hat, dass sie immer am Ende einer Einheit eine Karotte erwartet (also irgendwie dann ja doch wieder ganz klassisch, wir haben auch immer versucht kurz vor dem Abnehmen der Maske zu clickern und dann eben direkt die Karotte reinzuschieben. Aber eben bewusst VOR dem Abnehmen, damit nicht das Ende belohnt wird, sondern das Durchhalten. Ob das nun wirklich beim Pony so verankert ist, möchte ich nicht zu 100% unterschreiben, aber sie wartet ruhig und geduldig, also immerhin 😉 ). Von zunächst wenigen Minuten kann das Pony heute 20 Min. lang in völliger Ruhe inhalieren und muss nicht mal mehr ein Halfter tragen. Ans Rückwärtsrennen denkt sie nicht mehr. Genauso findet sie auch die vielfältigen Geräusche nicht mehr beängstigend.

Und das (fast) alles ohne Futterlob! Wenn mir das jemand vor einem halben Jahr erzählt hätte, wäre ich wohl lachend am Boden gelegen. Heute weiß ich mein Futter beim Clickern zu schätzen, denn ganz geduldig bin ich noch immer nicht. Ich weiß aber auch, dass das Pony auch ohne Futter kooperieren möchte. 🙂

Fazit

Der Wandel von Unruhe und Panik hin zu Entspannung hat ein Vierteljahr gedauert. Die Fortschritte zu Beginn waren schnell und täglich zu sehen. Ab dem Moment, wo das Futterlob wegfiel, ging es nur noch langsam voran. Die gesamte Geschichte zeigt sehr schön, dass man mit Druck und Gewalt nichts erreichen kann, sondern sich Geduld und Zeit immer auszahlen werden – wenn es eben auch länger dauert!

Heute kann Rán super entspannt inhalieren und findet es auch (fast) gar nicht mehr doof (ist ja immer noch ein Ponystütchen mit ausgeprägtem Nein-Gedanken 😛 ).

IMG-20150813-WA0009

Man missachte die schlechte Qualität und lenke das Augenmerk auf „kein Halfter“ und „fast eingepennt“ 😉

Ich möchte dich mit dieser Geschichte auch dazu ermuntern, Lernplateaus anzunehmen und weiterzumachen. An deiner eigenen Geduld zu arbeiten, und immer wieder zurückzublicken und zu überlegen, was du gemeinsam mit deinem Pferd schon alles erreicht hast. Mit diesen Einstellungen, die für mich Grundpfeiler des Trainings mit positiver Bestärkung sind, kannst du deine Arbeit mit dem Pferd grundlegend umstellen und auch schwierige Hürden – wie etwas ohne Futterlob positiv zu belegen, weil es eben nicht anders geht – meistern!

Wichtig!

Bitte nimm Husten bei deinem Pferd sehr ernst! Es ist unglaublich, wie schnell aus einem kleinen Husten plötzlich eine handfeste, chronische Atemwegserkrankung wird, die ich keinem Pferd der Welt wünsche. Diese Pferde benötigen ab dann bis zum Lebensende enorm viel Aufmerksamkeit und Behandlung, können im schlimmsten Fall nie mehr so einsatzfähig sein wie vorher.

Wenn mir heute nur jemand erzählt, dass das Pferd hustet, ist meine erste Antwort immer: Hole sofort den Tierarzt, nimm das bloß nicht auf die leichte Schulter – doktore nicht alleine daran herum! Husten ist sehr ernst!

Hintergrundinformationen zum Thema Atemwegserkrankungen beim Pferd könnt ihr auf der Seite der Tierarztpraxis Schulte bekommen

(Visited 750 times, 1 visits today)

6 Kommentare

  1. Klaudia

    Danke für den tollen Beitrag! Ich wäre so nie drauf gekommen, dass man das Clickern auch beim Inhalieren mit rein nehmen kann.
    Und du hast soo Recht: Husten muss man einfach immer ernst nehmen, viele Leute unterschätzen das und geben einfach mal ein paar Hustenkräuter.

    lg, Klaudia

    Antworten
  2. Helen

    Hallo, ich wollte nur ganz kurz schreiben, wie toll ich diesen Beitrag fand:) Wie alt ist eigentlich Rani? Und spähe ich eine Halsdecke?:) Ich mit meinem erst 7 Jahre alten, Heustaub- und Gnitzenallergiker finde es einfach klasse, so einen schönen, positiven Artikel zu lesen, der mich so anspricht! Manchmal bin ich es überdrüssig, anderen Pferdemenschen zu erklären, warum Heunassmachen z.B. keine Wasser/Zeit/Geldverschwendung ist sondern einfach nur notwendig… Danke! LG Helen

    Antworten
    1. ponyliebe (Beitrag Autor)

      Vielen lieben Dank, Helen! Rán ist 25 und ja, du hast eine Halsdecke erspäht – die Arme hat auch noch Ekzem und ist schon oft geplagt -.-

      Antworten
  3. Pingback: Gastartikel: Chronischen Pferdehusten erkennen und behandeln (Dämpfigkeit) - Ponyliebe

  4. Pingback: Meine 4 Tipps für dein perfektes Clickerleckerli - Ponyliebe

  5. Pingback: Clickertraining für Pferde: Grundlagen, Training und Vorurteile - PferdeSpiegel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.