Ponyliebe

5 Tipps, wie du dein Pferd auch im Gelände sinnvoll trainieren kannst

Erst vor kurzem war ich zu Besuch bei Vanessa von Herr Pferd. Ich habe ja sehr viele Halfter etc. von ihr und mit der Zeit ist ein intensiver Austausch entstanden, aus dem nun eine echte Freundschaft wurde. Vanessa hält ihre Pferde in Eigenregie und hat – genau wie wir – keine Halle und keine vernünftigen Trainingsvoraussetzungen. Trotzdem startet sie erfolgreich Turniere und hat gut im Training stehende Isländer. Ich war gemeinsam mit ihr und Fluga und Landi ausreiten und kann dir versichern: Ihre Tipps funktionieren 100%! Noch dazu ist Vanessa eine sehr sanfte Reiterin, die beneidenswert viel Geduld an den Tag bringt und ihren Pferden viel Sicherheit vermitteln kann.

Wie sie ihr Alltagstraining im Gelände gestaltet, hat sie mir in diesem Blogartikel verraten. Ich bin mir sicher, dass auch DU daraus tolle Tipps mitnehmen kannst und somit deine Ausritte in Zukunft tatsächlich einen Mehrwert erhalten! 🙂 (P.S.: Die Tipps sind von einer Gangpferdereiterin geschrieben, aber jeder 3-Gang-Pferd-Reiter kann die Tölttipps ja entsprechend ummünzen und trotzdem für sich nutzen!)

_DSC8849

Vanessa und ihr Isländer Landi.

 

Mein erster Blogeintrag! Wie aufregend! Ich bin Vanessa (27) und zu mir gehören die drei Islandpferde Landi (22), Boggy (22) und Fluga (7). Nebenbei führe ich das Unternehmen „Herr Pferd“. Ich bin kein Trainer, sondern berichte lediglich aus meiner eigenen Erfahrung. Entscheide selbst, welche Tipps für dich sinnvoll sind und was du gerne umsetzen möchtest.

Natürlich ist er da – der Neid. Neid auf diejenigen, die in einer Reithalle trainieren können – mit einer Bande, einem Dach über dem Kopf und fernab von jeglicher Ablenkung. Aber ich will ja nicht gleich übertrieben anspruchsvoll sein. Manchmal wäre es auch einfach schön einen Reitplatz zu haben – ebenerdig, nicht matschig und mit einem schönen Zaun.

Aber zurück zur Realität: Ich habe keine Reithalle. Ich habe keinen Reitplatz. Dafür habe ich ein wunderschönes Ausreitgelände und meine Pferde haben 5ha Wiese mit Berg, Wald und kleinem Fluss. Vor allem der Berg ist sehr dominant auf der Weide vertreten. Das einzige ebene Stück unserer Weide ist direkt am Weidetor: 12m breit und 27m lang. Wobei „eben“ relativ ist. Auf der einen Seite geht es leicht bergab, auf der anderen leicht bergauf. Dieses Stück flacher Erde haben wir mit Elektrozaun abgeteilt. Dies ist UNSER Reitplatz. Wer hier reiten kann, kann überall reiten. Landi schafft sogar die ganze Bahn im Galopp. Mit Fluga (meiner Jungstute) traue ich mich nicht. Dafür sind die Kurven zu eng. Aber was soll’s? Wir machen das Beste aus unserer Situation. Und so schlecht ist diese gar nicht.

Zu 97% reite ich einfach mit meinen Pferden aus. Schenkelweichen, Rückwärtsrichten, Schulterherein, all das baue ich in unsere Arbeit im Gelände mit ein. Unseren Reitplatz nutze ich hauptsächlich für Schritt und Töltarbeit, wenn wir uns stärker konzentrieren müssen und gezielt neue Aufgaben erarbeiten. Manchmal sind wir auch ganz wagemutig und bauen ein paar Sprünge auf. Auch das geht. Heute möchte ich euch mit auf einen meiner Ausritte nehmen. Vielleicht kann ich euch mit ein paar neuen Ideen inspirieren.

Generell bedeutet ein Ausritt für meine Pferde auch „Arbeit“. Wenn wir gemeinsam mit mehreren Reitern ausreiten, ist es Entspannung und ein Konditionstraining. Reite ich aber alleine und zu Trainingszwecken aus, möchte ich im Gelände auch etwas erreichen. Deshalb heißt ausreiten nicht langer Zügel und im Schritt dahin schlurfen. Auch im Gelände kann dein Pferd am Zügel gehen.

Natürlich ist dabei die Ablenkung größer als in der Reithalle, aber mit ein wenig Gewöhnung wird dein Pferd auch im Gelände sich auf dich konzentrieren. Ein hektisches Trippeln und in der Gegend rumgucken mit hochgerissenem Kopf erledigt sich mit ein wenig Routine ganz schnell von selbst. Auch auf Turnieren ist Ablenkung gegeben. Deshalb ist von Vorteil schon vorher dein Pferd mit verschiedenen Situationen zu konfrontieren und nicht nur in der „sicheren“ Reithallte bzw. auf dem „gewohnten“ Reitplatz zu reiten.

_DSC8064

Fluga vom Kronshof, die gerade vom Waldstück auf der Wiese kommt und Richtung Reitplatz flitzt.

5 Tipps zum Training im Gelände

Die folgenden Aufgaben baue ich in die täglichen Trainings(aus)ritte meiner Pferde mit ein. Selbstverständlich muss dein Pferd auch im Gelände ausreichend warmgeritten werden. Gute Tipps dazu findest du bei Fair Riding Corp. Natürlich gilt es auch, die jeweiligen Regeln und Gesetze zum Reiten im Gelände zu beachten.

  1. Zick-Zack Schenkelweichen

Meine Lieblingsübung. Du kannst sie quasi überall durchführen. Lasse dein Pferd von einer Seite des Weges auf die andere dem Schenkel weichen. Anschließend stellst du es in Ruhe um und lässt dein Pferd dem anderen Schenkel weichen. So geht es im Zick-Zack von einer Seite zur anderen. Diese Übung ist auf jeglichen Wegen möglich, sogar auf Asphalt. Je nach Breite des Weges variiert die Dauer des Schenkelweichens bevor der Wechsel erfolgt. Benötigt dein Pferd noch eine seitliche Anlehnung kannst du dich an Zäunen, Hecken etc. orientieren.

Tipp: Auch wenn Pferde im Gelände oft etwas flotter sind, verlangsame dein Pferd vor der Übung deutlich.

  1. Rückwärtsrichten

Auch Rückwärtsrichten geht immer und überall. Gibt es Stellen an denen dein Pferd gerne davon prescht? Das nächste Mal parierst du an genau dieser Stelle durch und lässt es ein paar Tritte rückwärtsgehen.

Tipp: Richte dein Pferd doch mal bergauf oder bergab rückwärts.

  1. Bergauf (tölten)

Bergab tölten bei passigen Pferden – Ich glaube diesen Tipp hat so ziemlich jeder Islandpferdereiter schon mal bekommen. Hast du denn mal versucht bergauf zu tölten? Gar nicht so einfach. Vor allen Dingen darfst du dabei das Treiben nicht vergessen, sonst bist du ganz schnell im Trab. Diese Übung aktiviert die Hinterhand deines Pferdes enorm. Ich habe einen kleine Berg im Gelände auf den eine lange, ebene (Tölt)strecke folgt. Nachdem ich energisch den Berg hoch getöltet bin, ist der Tölt auf der anschließenden Strecke wunderschön: mit aktiver Hinterhand, locker und meist sehr viel besser im Takt.

  1. Tempo verstärken im Tölt

Die perfekte Übung für lange, geschlängelte Wege. Such dir eine passende Startkurve auf deiner Töltstrecke. Die Kurve absolvierst du im langsamen Tempo Tölt, danach verstärkst du das Tempo deutlich. Vor der nächsten Kurve nimmst du dein Pferd wieder zurück ins langsame Tempo. Das Schöne an kurvigen Waldwegen: Du reitest eine Kurve nach der anderen und nicht stumpf nur Rechts-oder Linkskurven wie auf der Ovalbahn. Außerdem sind durch die naturgegebenen Bedingungen die Abstände zwischen den Kurven unregelmäßig. Mal ein längeres Stück im starken Tempo Tölt, mal ein längeres Stück ruhiges, langsames Tempo. Mehr Abwechslung geht gar nicht. Dein Pferd stumpft nicht ab und muss genau auf dich und deine Hilfen aufpassen.

Im Allgemeinen fördern Tempounterschiede die Kraft, aber auch die Durchlässigkeit deines Pferdes. Auf keinen Fall sollte dein Pferd „ohne Hinterhand“ davon laufen und den Takt verlieren. Das Tempo sollte gleichmäßig und mit aktiver Hinterhand gesteigert werden, ohne das dein Pferd zu eilig wird.

Reite nur so schnell, wie dein Pferd es bei guter Gangqualität zulässt.

  1. Volten und Biegungen

Die einfachste Möglichkeit eine Volte einzubauen ist auf Wegkreuzungen. Nicht einfach nur Abbiegen, sondern die größere Fläche auf der Kreuzung nutzen, um eine Volte oder auch eine Acht zu reiten. Aber Achtung: Ich rede von Feld- oder Waldwegen, nicht von befahrenen Straßenkreuzungen. Du kannst auch um einen freistehenden Baum herum einen Kreis reiten. Dabei kannst du wie beim Zirkel verkleinern und vergrößern die Kreisgröße variieren. Der Baum in der Mitte ist ein guter Fixpunkt für dich, um schöne, gleichmäßige Kreise zu reiten.

Tipp: Lasse dein Pferd in der Biegung ab und an 2-3 Tritte seitwärtstreten. Schiebe dein Pferd z.B. immer auf 12 Uhr und 6 Uhr 2-3 Schritte nach außen.

Noch mehr Trainingsideen findest du in diesem Buch:

*



_DSC8105

Was tun wenn,…

… dein Pferd sehr schreckhaft ist?

Neben Gelassenheitstraining in Form von Anti-Schrecktraining auf dem Reitplatz, kann es hilfreich sein, deine auserwählte Trainingsrunde erst mit einem gelassenen Partner zu reiten. Auch wenn ihr zu zweit unterwegs seid, könnt ihr die beschrieben Aufgaben gut in euren Ausritt einbauen.

Möchtest du aber auf Dauer alleine ausreiten, hat sich für mich folgendes Vorgehen als hilfreich herausgestellt. Nimm dir zwei Wochen Zeit und reite jeden Tag dieselbe Runde. Immer wieder. Ist die Strecke am ersten Tag noch furchtbar, wird sich nach einigen Tagen eine gewisse Routine einstellen. Gib deinem Pferd während der ersten Ritte viel Zeit die ungewohnten Dinge zu betrachten und die Strecke kennen zu lernen. Ich finde es wichtig, das Pferd NICHT in seiner Angst zu bestärken. Gib ihm die Chance die Sachen kennen zu lernen, aber reite souverän und energisch daran vorbei und bemitleide es nicht. Je öfter du deine Runde reitest, desto sicherer wird dein Pferd. Hat es verstanden, dass ihm nichts passiert, kannst du beginnen Aufgaben von ihm zu verlangen.

… dein Pferd im Gelände in den Rennmodus schaltet?

Mein Landi ist ein solcher Kandidat. Nicht immer, aber an manchen Tagen schaltet sich bei ihm der Rennmodus ein (- und der Kopf aus). Hektischer Schritt, Losschießen im Trab und jede Möglichkeit nutzen, um in den Galopp zu fallen. Hierbei habe ich zwei verschiedene Lösungsmöglichkeiten gefunden:

Einerseits kannst du versuchen dein Pferd durch verschiedene Aufgaben im Schritt zu fordern und zu beschäftigen: Schritt – Halt – Schritt – Halt – Rückwärts – Schritt – Vorhandwendung – Schritt- Halt – usw. Gib deinem Pferd keine Chance loszurennen und fordere von ihm größte Konzentration. Passt dein Pferd gut auf, kannst du beginnen zu Traben. Aber immer nur für eine kurze Strecke. Dann wieder durchparieren, anhalten und Übungen einfordern. Für dieses Vorgehen brauchst du eine gewisse Portion Geduld und Gelassenheit. Aus Erfahrung weiß ich, dass es manchmal schwierig ist, ruhig zu bleiben, wenn jedes Anhalten zum Rumzappeln wird. Aber nach zehnmal anhalten, wird selbst Landi ruhiger. Vor allem, wenn er nicht weiß, was danach kommt. Deshalb ist es wichtig die Aufgaben zu variieren. Dein Pferd soll nicht wissen, dass es nach jedem Halt Rückwärts gehen soll, sondern geduldig auf deine Hilfe warten.

Möglichkeit zwei zielt mehr auf Gleichmäßigkeit ab. Merke ich, dass heute ein „flotter, hektischer“ Tag ist, beginne ich schon recht früh mit Trabarbeit. Ich nutze eine hügelige Strecke mit einigen Kurven. Normalerweise reite ich auf diesem Weg bergauf viel Galopp, auf den geraden Strecken Tölt oder Trab und bergab Schritt. Ist Landi aber zu motiviert und beginnt zu rasen, absolviere ich die komplette Strecke (ca. 1,5 km) im Trab. Ich versuche ein gleichmäßiges, lockeres Trabtempo ohne zu eilen zu erreichen, dabei trabe ich leicht. Bergauf sowie bergab lasse ich mein Pferd traben. Dadurch muss es sich ausbalancieren und ich versuche gleichmäßiges, ruhiges Tempo zu erhalten. Bei den ersten „Bergen“ fragt Landi oft noch an, ob er galoppieren darf, aber spätestens nach dem dritten Berg hat er gemerkt, dass heute nur getrabt wird. Zum Ende der Strecke hat er sich meist „abreagiert“ und den Rest des Rittes können wir entspannt genießen.

Ich hoffe du hast ein paar neue Ideen bekommen und hast Lust diese bei deinem nächsten Ausritt umzusetzen. Sicherlich fallen dir noch weitere Aufgaben ein. Vielleicht hast du Lust, diese unter diesem Beitrag zu ergänzen.

_DSC3533_rosa_web

Islandstute Fluga in ihrem Halfter plus Strick von Herr Pferd.

Wenn du neugierig auf Vanessa und ihre Arbeit geworden bist, dann schau gerne in ihrem Onlineshop vorbei. Ich bin begeistert von der Qualität ihrer Arbeit und kann dir die Produkte mit bestem Gewissen ans Herz legen! <3

 

Lesetipps:

Dressurreiten im Gelände: http://www.amazon.de/Dressurreiten-im-Gel%C3%A4nde-Werner-Jost/dp/3440102300

Auf Pferdekosmos wird überlegt, wie viel Dressur ein Pferd braucht und wie Geländearbeit helfen kann.

Die 20 Besten Geländelektionen hat Cavallo gesammelt.

Auch Line hat auf Kultreiter die besten Übungen fürs Gelände gesammelt.

Akki von Führpferd berichtet in diesem Artikel, wieso man auch beim Spazierengehen mit dem Pferd trainieren kann und sollte – für all diejenigen unter euch, die nicht nur beim Ausritt im Gelände etwas tun wollen 😉

 

(Visited 7.746 times, 3 visits today)

3 Kommentare

  1. Pferdeflüsterei

    Liebe Ann-Christin, liebe Vanessa – ein schöner Post von euch beiden und so hübsche Fotos. Wir machen auch viel im Gelände – noch am Boden, weil mein Pferd noch nicht angeritten ist, aber auch da üben wir Übergänge von Schritt zu Trab und wieder zurück. Wir gehen mal einen Schritt rückwärts, machen Seitenwechsel und üben langsamer und schneller zu gehen. Auf ein Ausatmen anzuhalten und eine leichte Vorwärtsbewegung von mir loszulaufen. Gerade übe ich sogar den gleichen Takt. Dazu wird es demnächst auch einen Artikel geben. Das ist so schön zu merken, wenn wir im gleichen Takt laufen und mein Pferd seine Geschwindigkeit dann an meinen Takt anpasst. Gelände ist ein toller Ort um zu trainieren 🙂 Liebe Grüße, Petra

    Antworten
    1. ponyliebe (Beitrag Autor)

      Gerade auch für junge Pferde finde ich, damit sie sich gleich an alles gewöhnen können. Schön, dass du auch so denkst, wie wir <3

      Antworten
  2. Pingback: Geocaching mit Pferd – Ponyliebe

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.