Ponyliebe

Problemfrei durch den Sommer: Einsprühen

Mit den warmen Temperaturen kommen auch wieder schwierige Themen wie „Abspritzen“, „mit Fliegenspray einsprühen“ und „Wiesenwege meistern“ auf. Zappelige Pferde, nervöse Unruhe, zerrende Menschen – keine schöne Vorstellung. Wie du dir das diesen Sommer und für immer ersparen kannst, erkläre ich dir in dieser Serie. Teil 1 „Abspritzen“ inkl. Fallbeispiel und Teil 2 „Wiesenwege meistern“ sind sicherlich auch spannend für dich! Im dritten Teil geht es heute um das Thema „Einsprühen“ – gerade jetzt, wo die Bremsen wieder ganz extrem sind, sicher besonders aktuell und wichtig!Einsprühen - ruhig und gelassenDie meisten Pferde finden Einsprühen eher weniger witzig – zum einen macht der Sprühkopf oft gruselige Geräusche und zum anderen wird man nass. Denk mal nach: Wenn du im Freibad mit einer Sprühsonnencreme eingesprüht wirst – ziehst du dann auch automatisch den Bauch ein und kreischt ein bisschen? Weil es kalt und eklig ist? Und du nicht selbst steuern kannst, wann der Sprühstoß die Haut trifft? Also ich kann das gar nicht leiden und bin mir ziemlich sicher, dass sich das Pony ungefähr genauso doof fühlt, wenn ich sie einsprühe!

Also habe ich ihr mittels Clicker beigebracht, dass das Einsprühen zwar unangenehm ist, aber wirklich nicht so tragisch und man dabei durchaus ruhig und gelassen stehen bleiben kann!

Wie ich das gemacht habe und wie auch du deinem Pferd das beibringen kannst, erkläre ich dir hier Schritt für Schritt. Wichtig ist wie immer: Kein Pferd lernt gleich, es kann sein, dass du die Schritte anpassen und verändern musst, damit dein Pferd in seinem eigenen Tempo lernen kann!

1. Schritt: Die Flasche positiv belegen

Dieser Schritt ist enorm wichtig und du darfst ihn nicht unterschätzen! Dein Pferd muss die Flasche voll und ganz akzeptieren, ohne zu weichen, die Augen zu rollen, mit dem Schweif zu schlagen oder sonst wie in Panik zu verfallen. Das Ziel dieses Schrittes ist: Ein ruhiges und entspanntes Pferd.

Ich rate dir: Arbeite frei mit deinem Pferd – so kann es gehen, wenn es ihm zu viel wird. 

Befülle eine Sprühflasche mit Wasser, für den Anfang sparst du damit viel Geld 😛

1) Zeige deinem Pferd die Flasche. Du fragst es: „Traust du dich, die Flasche anzusehen?“ bzw. „Bist du neugierig, mutig genug, heute böse Trolle zu bekämpfen?“

Du belohnst dein Pferd für Blicke zur Flasche, einen Jackpot gibt es, wenn es die Flasche mit der Nase anstupsen sollte! Bleib ganz ruhig und entspannt, mach keine schnellen Bewegungen und sprühe noch nicht!

2) Wenn dein Pferd ruhig und entspannt ist, wenn du ihm die Flasche zeigst, ist der nächste Schritt, dass es die Flasche berührt. Du fragst dein Pferd: „Kannst du die Flasche mit deiner Nase berühren?“

Ab jetzt belohnst du nur noch Berührungen!

Idealerweise hat dein Pferd vorher schon ein Target und das entsprechende Signal für berühren kennengelernt (in meinem Fall ist es „touch“) – dann kannst du das leichter abrufen. Sonst kannst du versuchen, ein bisschen auf die Flasche zu klopfen, sie dominanter zu zeigen, oder schon recht weit zu Nase hinbewegen (langsam! Nicht übertreiben!!)

Wenn dein Pferd die Flasche ganz gelassen annimmt, sie berühren kann und bei dir bleibt, auch wenn die Flasche in deiner Hand ist, dann geht es weiter mit Schritt 2!

Einsprühen - ruhig und entspannt. PonyliebeSchritt 2: Einsprühen, weg vom Pferd üben

Dein Pferd ist jetzt ruhig und entspannt, die Flasche an sich ist positiv besetzt, Jetzt gilt es, das seltsame und unheimliche Sprühgeräusch positiv zu belegen.

1) Vom Pferd wegsprühen. Du fragst dein Pferd: „Kannst du immer noch so ruhig und gelassen bei mir bleiben, auch dann, wenn ich mit der Flasche sprühe?“ 

Achte von Beginn an darauf, nicht zu clicken, wenn dein Pferd panisch werden sollte. Denn dann festigst du dieses Verhalten automatisch mit. Sprühe daher wirklich in größerer Entfernung und deutlich weg vom Pferd. Clicke danach sofort und gebe deinem Pferd eine Belohnung.

2) „Kannst du auch so entspannt sein, wenn ich ganz nah bei dir bin und sprühe?“

Du sprühst noch immer weg vom Pferd, aber verringerst die Distanz immer mehr.

Wichtig ist mir: All diese Schritte können sehr schnell gehen, oder lange Zeit brauchen. Achte immer genau auf dein Pferd und seine Ausdrucksweise. Bei einem leisen Anzeichen von Stress, beende diese Übung und hab Spaß mit deinem Pferd. Ihr habt genug Zeit, um das Einsprühen zu üben. 🙂 

Wenn dein Pferd das Einsprühen von ihm weg akzeptiert, ruhig und gelassen ist, dann geht es weiter mit Schritt 3 – dem Einsprühen des Pferdes!

Einsprühen - ruhig und entspannt. Ponyliebe

Rán ist hier übrigens nicht angebunden, der Strick hängt locker nach unten durch. Sie könnte jederzeit gehen.

Schritt 3: Das Einsprühen vom Pferd

Jetzt wird es ernst! Wenn dein Pferd bisher entspannt war, dann wird auch dieser Teilschritt gut gehen und dein Pferd wird schnell realisieren, dass jetzt eigentlich auch echt nix schlimmes passiert und es sich weiterhin entspannen kann. Wichtig ist, dass du auch mit deiner Stimme arbeitest (tief, ruhig, lobend) und auch von deiner Körpersprache her symbolisierst, dass alles ganz entspannt ist (bisschen einsacken, langsame Bewegungen, entspannt in den Bauch ein- und ausatmen). Solltest du merken, dass du gestresst bist, dann höre auf und atme erstmal eine Weile, kuschel mit deinem Pferd oder geh mit ihm eine Runde. Nur wenn du entspannt bist, kann sich auch dein Pferd entspannen 🙂 Und Entspanntheit ist das A und O beim Einsprühen <3

1) „Du hast es super bisher gemacht! Kannst du das genau so gelassen akzeptieren, wenn ich nicht mehr den Boden neben deinen Hinterhufen ansprühe, sondern deine Hinterbeine einsprühe?“

Wichtig ist: Hinten beginnen, der Hals- und Kopfbereich sind für Pferde am unangenehmsten (wir denken wieder an das Sonnenmilchbeispiel – sprühst du dir das direkt auf den Kopf? Wahrscheinlich nicht, gell 😉 )

2) „Kann ich mich nun langsam, Körperpartie für Körperpartie voran tasten?“

Dieser letzte Schritt ist der längste, denn du solltest nicht zu viel auf einmal von deinem Pferd einfordern. Schließlich ist es verdammt mutig, wenn es sich so von dir einsprühen lässt. Also höre mit der Hinterhand auf und mach wann anders mit dem untere Bauch weiter, etc.

Wichtig ist: Nach jedem Sprühen, dass dein Pferd ruhig hinnimmt, musst du überschwänglich loben. Und das solltest du nie mehr aufgeben! Click + Belohnung für diese tolle Leistung!

Nicht vergessen: Wenn die ersten Körperpartien einsprühfähig sind, dann wechsel irgendwann auf Fliegenspray, denn das hat ja zugleich noch den psychologischen Effekt für dein Pferd, dass die Fliegen wirklich wegbleiben und es mehr Ruhe hat. Das unterstützt dein positives Training noch mehr! 🙂

Einsprühen - ruhig und entspannt. Ponyliebe

Rán wird heute noch von mir gelobt, und zwar so doll, dass sie regelrecht 2cm größer wird, vor lauter Stolz. Sie lässt sich nicht gerade gerne einsprühen, aber sie hat gelernt, dass es nicht schlimm ist und erträgt es mit Würde.

Auch du und dein Pferd könnt das schaffen! Erzähl mir doch, ob du Probleme mit dem Einsprühen deines Pferdes hast und wie dir dieser Artikel dabei helfen konnte! Ich bin immer gespannt, auf eure Erlebnisse, Hindernisse und wie ihr das Ziel erreichen konntet! <3

 

Lesetipps:

Auch Christina von Herzenspferd hat schon über das Einsprühen geschrieben, ein ganz wunderbarer Artikel ist das geworden, den du HIER finden kannst.

Du möchtest Fliegenspray selbst herstellen? Dann kann ich dir den Artikel von Line von Kultreiter empfehlen, sie stellt ganz viele Rezepte vor, finden kannst du ihn HIER

Du bist auf der Suche nach einem Fliegenspray, weil du nämlich nicht selber mischen magst? Dann kann ich dir das von Kräuter fürs Pferd empfehlen, das ist weltklasse! Ich liebe diese Produkte abgöttisch. In unserem Ekzempflegespray ist gleich ein Parasitenabwehrmittel enthalten, das ist wirklich mega praktisch.

 

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10 Kommentare

  1. Claudia

    hi!

    Danke für den ausführlichen Artikel. Eine super Anleitung um sich Schritt für Schritt heran zu tasten.

    Mein Pflegepferd zeigt zum Fliegenspray überhaupt keine Regung. Ist ihr ganz egal, trotzdem zeige ich ihr immer vorab mal die Flasche. Damit sie weiß was auf sie zukommt. 🙂

    Ich kenne aber viele Pferde, die da ganz anders reagieren. Ich finde deinen Vergleich mit dem einsprühen von uns selbst toll. Die Betrachtungsweise macht es einem viel leichter die Reaktion zu verstehen.

    Danke.

    lg Claudia

    Antworten
    1. ponyliebe (Beitrag Autor)

      Ja gell, ich finde, man braucht manchmal solche Vergleiche und Bilder, um Dinge besser verstehen/nachvollziehen zu können. 🙂

      Antworten
  2. Pferdefreunde

    Liebe Ann-Christin,

    Danke für deinen Artikel. Wir hängen schon so lange im 1. Schritt fest (das Pony trägt die Sprühflasche sogar schon durch die Gegend), bei Schritt 2 hingegen beginnt sofort die Panik. Aber wir arbeiten dran. 😀 Solange greifen wir auf andere Stinkedinge zurück, die die Bremsen ein bisschen fernhalten, die aber ohne sprühen aufgetragen werden können. 🙂

    Liebe Grüße
    Karo

    Antworten
    1. ponyliebe (Beitrag Autor)

      Owei! Dann hoffe ich, dass ihr den Schritt bald meistern könnt 🙂

      Antworten
  3. Pferdelüsterei

    Ohja – Bremsen und andere Viecher 🙁 Bei uns treiben sie auch ihr Unwesen. Ich sehe mich schon mit Grauen meiner selbstbewussten Jungstute erklären, dass Fliegenspray was gaaaanz gaaaanz tolles ist. Ich werde mir dann deine Serie nochmal vor das innere Auge führen 😉 Danke für die schöne Serie!! Sie ist wirklich lehhreich und hilfreich und toll. Und natürlich mag ich sehr, dass du die Farbe ROSAAAAAA so eine große Rolle spielen darf. Perfektes T-Shirt-Halfter-Matching! Alles Liebe, Petra

    Antworten
    1. ponyliebe (Beitrag Autor)

      Hihihihi, rosa zu rosa äh pink zu pink 😀 Man muss ja auch stylish aussehen, gell 😉

      Ach, deine Jungstute wird das sicher – ähnlich wie Rán – gnädig akzeptieren 😀

      Antworten
  4. Lydia

    Hallöchen 🙂

    mein Freund Puschkin und ich sind nun seit fast genau einem Jahr ein Team…
    Natürlich kam letztes Jahr das Thema Sprühflasche ebenfalls auf …

    Als er in die Herde eingeführt wurde hat er natürlich Anfangs jede Menge kleine Macken
    und Wunden abbekommen… welche ich desinfizieren musste…Anfangs vorsichtig draufgetupft…dann einfach gesprüht…ohne weiter darüber nachzudenken
    Nun ja toll war anders… aber er ließ es zu… ich hab dann mit Wasserflasche geübt und weit über ihn gesprüht… Für mich war das lästige Sprühen anstrengend für meine Hände und für Puschkin das Geräusch net sooo toll. Daher hab ich mich für die großen Pumpflaschen ( f. Unkrautvernichter) entschieden…
    Man pumpt ein paar mal und dann kann ich eine Seite komplett eindieseln ohne nach zupumpen… auch für ihn war und ist das viel angenehmer…auch wenn er noch immer darauf verzichten könnte…
    Zusätzlich kommt die Decke drauf und ein bisschen Zitronella/ – Gel o. Teebaumöl an den Hals … das hält auf jeden Fall einem 2 Std. Ausritt stand 😉
    In ganz schlimmen Zeiten greife ich auch mal zu butox vom TA – wird von Mähne bis Schweif aufs Fell gegeben und hält auch die Zeit auf der Koppel ca. 2 Wo. die Biester von ihm fern… Einsprühen mit eigener Mischung ergänzt dann unseren Bremsenschutz…
    Mittlerweile hält er auch suuuper still – nur auf seiner unangenehmen Seite weicht er noch etwas…aber er scheint nun zu wissen, dass es nur zu seinem Vorteil ist 😉

    Liebe Grüße
    Lydia & Puschkin

    Antworten
    1. ponyliebe (Beitrag Autor)

      Liebe Lydia,

      das ist ja auch eine super Idee mit diesen Pumpflaschen! Ich hab ja nur ein kleines Pony, da fällt die Hand nicht ab, aber grad bei einem Kalti zB! 🙂

      Was machst du denn für einen eigenen Bremsenschutz?

      Antworten
      1. Lydia

        Hallo :-O,

        also als Basis nehme ich Apfelessig, aufgefüllt mit Wasser und angereichert mit:
        frische gequetschte Knobizehen…Minz-, Teebaum-,Lavendelöl…dazu Zintronen- oder Limettensaft.
        Fertig… ( der Rest vom letzten Jahr besonders gut… den habe ich dieses jahr einfach wieder erweitert.
        stinkt schön…wobei, mich stört es überhaupt nicht…Natürlich sollten die Öle in unbedenklichen Mengen hineingegeben werden…ich tränke das Fell – im warsten Sinne des Wortes… Wie jedes Mittel ist der Schutz nicht 100% aber zumindest 80 % ;-)…

        Und auch ich habe ein Pony mit 145 cm – trotzdem ist es für beide beteiligten angenehm 😉

        Liebe Grüße
        Lydia

        Antworten
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