Ponyliebe

Problemfrei durch den Sommer: Grastraining

Mit den warmen Temperaturen kommen auch wieder schwierige Themen wie „Abspritzen“, „mit Fliegenspray einsprühen“ und „Wiesenwege meistern“ auf. Zappelige Pferde, nervöse Unruhe, zerrende Menschen – keine schöne Vorstellung. Wie du dir das diesen Sommer und für immer ersparen kannst, erkläre ich dir in dieser Serie. Nach dem Abspritzen mit dem Wasserschlauch geht es heute um das Thema Gras, was viele von euch bei mir angefragt hatten, v.a. nach meinem letzten Post über die freie Arbeit auf der Wiese

Das Grastraining

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Über den Winter hinweg ist es meist kein Problem, mit dem Pferd über einen Wiesenweg zu laufen, auf einer Koppel miteinander zu arbeiten oder auch in einem grasbewachsenen Roundpen zu longieren, etc. Mit dem kommenden Frühling geht das Drama aber los. Das Pferd steckt den Kopf in jeder Lebenslage, auch mitten im Galopp, ins nächste Grasbüschel, der Mensch wird völlig uninteressant und an Arbeit in der Nähe von Gras ist meist nicht mehr zu denken.

Gras ist für alle Pferde mit das hochwertigste Futter überhaupt, vom inneren Instinkt getrieben ist die schier unendliche Gier danach. Aber es nützt ja alles nichts. Man kann das Pferd schließlich nicht den ganzen Sommer auf der Koppel lassen, weil jegliche Arbeitsmanier oder generell Manieren plötzlich fehlen.

Was also tun?

Am einfachsten ist es, dem Pferd die Arbeit mit dem Menschen schmackhaft zu machen! Aber vorsicht! Das geht leider nicht so schnell, wie bei vielen anderen Übungen. Grastraining ist langwierig und mitweilen anstrengend. Aber mal wieder lohnt sich hier die Hartnäckigkeit! Denn immer mehr wird dein Pferd verstehen, dass es sich lohnt, mit dir zusammen zu arbeiten, du kannst ihm beibringen, nur noch auf Kommando zu grasen und bei ganz tollen Lernexemplaren kann man sogar antrainieren, nur einen Haps zu nehmen und sich damit zu begnügen!

Wie geht das?

Wie das geht, erkläre ich dir hier. Wie immer gilt: Du solltest keine Angst davor haben, deinem Pferd Leckerlis zu füttern (wer getreidefreie Leckerli braucht, oder generell auf der Suche nach einer gesunden Belohnung ist, dem empfehle ich die Leckerli Fabrik!); nicht jedes Pferd lernt gleich – du musst deinem Pferd gut zuhören, wenn du mit ihm Grastraining machst, damit du die Schritte an es anpassen kannst!

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Schritt 1: Erklären, warum sich die Zusammenarbeit lohnt

Im ersten Schritt machst du etwas, was viele Menschen nicht verstehen werden! Du musst deinem Pferd ja erstmal erklären, dass es sich durchaus lohnt, den Kopf aus dem Gras zu nehmen und bei dir zu bleiben! Wo übt man so etwas am besten? Richtig – auf Gras!

Du gehst mit deinem Pferd entweder auf die Wiese, oder auf einen Grasstreifen etc. (Ich habe damals auf einem Grasstreifen angefangen, dann ein Grasweg, danach erst die Koppel – ich rate zu dieser Vorgehensweise, wenn dein Pferd Gras inhalieren kann 😀 ). Du lässt es grasen. IMMER (!!!), wenn dein Pferd den Kopf auch nur ansatzweise aus dem Gras hebt, lobst du es überschwänglich und gibst ihm sein Lieblingsleckerli. Wenn dein Pferd seinen Kopf ganz zu dir hebt, dann musst du förmlich ausrasten vor lauter Freude!

Dein Pferd wird diese Situation lieben! Es kriegt Gras und Leckerlis gemeinsam und der Mensch freut sich wie Bolle. Genau deshalb werden viele Menschen diesen Schritt kopfschüttelnd beobachten. Sei dir aber sicher: Ohne diesen seltsamen Schritt wird gar nichts funktionieren! (Außer du willst deinem Pferd immer eine überbretzeln, wenn es grast, das geht natürlich schneller, aber dann wären wir wieder beim Dominanzverhalten, das ja bekanntlich auf diesem Blog nicht unterstützt wird…)

Schritt 2: Ein Signal etablieren

 

Mit der Zeit wird dein Pferd immer häufiger den Kopf heben. Jetzt solltest du das Anheben des Kopfes mit einem Signal belegen – also ein Wort oder eine Geste! Umso öfter du nun dieses Wort (beispielsweise „Schabernack“ 😉 ) in Verbindung mit dem Heben des Kopfes bringt, desto schneller entsteht im Gehirn deines Pferdes eine Verknüpfung, so dass irgendwann das Wort „Schabernack“ das Kopfheben auslösen kann. Was glaubst du, wie die kopschüttelnden Menschen dann schauen, wenn du dein Pferd ohne am Strick zu ziehen, aus dem Gras bringst? Ganz genau!!

Die Verknüpfung ist übrigens frühestens nach ca. 1000 Wiederholungen vorhanden und muss immer wieder trainiert und wiederholt werden, damit eine Autobahn im Gehirn deines Pferdes entsteht 😉 Also nicht entmutigen lassen – das ganze dauert einfach eine Weile, aber es wird sich sicher lohnen!

Du kannst übrigens auch Signal für das Grasen etablieren! Ich habe dazu ganz einfach das Wort „Grasen“ in Verbindung mit einer zeigenden Geste gewählt. Dazu habe ich das Pony auf nicht-Gras gestellt, dann das Signal gegeben, den Strick losgelassen und sie durfte zum nächsten Gras gehen (in diesem Fall war das Gras die Belohnung). Mit der Zeit habe ich dies auch auf Wiesenwegen einführen können und auch vom Sattel aus geht das heute! Aber auch hier gilt: Es hat wirklich einiges an Zeit und Nerven gekostet 😉 (und du musst wirklich konsequent sein und vor allem auch transparent für dein Pferd, damit es versteht, dass es wirklich nur noch dann grasen darf, wenn du dieses Kommando gibst. Sonst ist es verwirrt und hat keine Lust sich auf das Spiel einzulassen)

Schritt 3: Mehr verlangen

 

Dann ist es an der Zeit kleine Dinge abzufragen. Zum Beispiel: Magst du ein Stück mit mir gehen? Oder auch einen Trick (ich habe zum Beispiel die Höflichkeitsübungen abgefragt, weil mein Pony diese über alles liebt und wirklich gerne macht). Denn für dein Pferd wird es auf Dauer ziemlich langweilig und uninteressant sein, wenn es nur den Kopf heben muss, ohne weiteren Auftrag! Ich arbeite inzwischen einfach daran, dass sie frei mit mir mitkommt, auch wenn sich unter den Hufen verführerisches Gras befindet. Damit das klappt, muss natürlich weiterhin belohnt werden! Das Pony und ich – wir kennen und schon ziemlich gut. Deshalb sieht die Rán mir überschwängliche Freude auch gut an und fühlt sich ab und an auch dadurch belohnt. Grad bei der freien Arbeit kann man gemeinsam so viel Spaß haben, dass man nicht ständig mit Leckerli belohnen muss. Aber – ganz ohne geht es nicht! Das Leckerli und das Lob zeigen deinem Pferd einfach, dass es grad genau das macht, was du gerne möchtest und motivieren es zusätzlich, auch weiterhin mit dir zusammenzuarbeiten.

Lesetipp: Tanja von TashHorseExperience hat einen tollen Artikel über das Loben herausgebracht, der für jede Art des Trainings wichtig ist. Egal, ob für Clickern, für Natural Horsemenship oder für klassische Reitlehre. Unbedingt lesen!

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Wichtig!

– du musst dir vorher überlegen, was dein Ziel ist! Mein Ziel war: Das Pony auf Kommando grasen lassen und ebenso auf Kommando aus dem Gras holen zu können! Langfristig wollte ich mit dem zweiten erreichen, dass wir auch auf Gras im Sommer miteinander arbeiten können, was vor dem Grastraining nahezu unmöglich war.

– wenn du deinem Pferd antrainierst, dass die Zusammenarbeit mit dir wichtiger ist, als das Gras, musst du es trotzdem zwischendrin immer wieder mal grasen lassen, damit die Motivation hoch bleibt!

– lass dich weder von deinen Mitmenschen, noch von deinem Pferd aus der Ruhe bringen. Mit der Zeit, und mit entsprechender Hartnäckigkeit, wirst du das Thema Gras in den Griff bekommen!

 

Zum Abschluss ein Video

 

Dieses Video habe ich mir vor mehr als einem Jahr angesehen und daraufhin mit dem Grastraining begonnen. Ja, es ist etwas langweilig, weil wenig passiert – aber es  zeigt eben genau diesen ersten Konditionierungsschritt, nämlich dem Pferd zu erklären, warum es sich lohnt, den Kopf aus dem Gras zu nehmen. Weil mir das damals viel geholfen hat und ja auch im Endeffekt wirklich Früchte getragen hat, ist es mir wichtig, es auch mit euch zu teilen.

 

Alles klar?

Hat dir der Artikel geholfen eine erste Idee davon zu bekommen, wie du das Grastraining mit deinem Pferd aufbauen kannst?

Berichte mir doch bitte davon, wie es läuft!

 

Du hast sonst Sorgen, Probleme oder Fragen? Stelle sie ruhig,  gemeinsam finden wir bestimmt eine mögliche Idee, wie man vorgehen könnte. 🙂

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10 Kommentare

  1. Claudia

    hi!
    Danke für den Artikel! Total interessant zu lesen.

    Mein Pflegepferd kann vom Grasen gar nicht genug bekommen. Da bin ich Luft!

    Leider hebt sie auch nicht den Kopf, unter gar keinen Umständen. Sie ist ein richtiger Rasenmäher!

    Wie würdest du in so einem Fall beginnen? Einfach mal mit einem leckerli ablenken und versuchen ihre Aufmerksamkeit zu bekommen?

    Danke noch mal für den Artikel ich freue mich total darüber.

    Lg Claudia

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    1. ponyliebe (Beitrag Autor)

      Rán ist ja auch so ein Staubsauger und ich habe am Anfang teilweise echt ne halbe Stunde gewartet. Ich würde es an deiner Stelle mal so probieren. Sonst evtl echt locken – aber das wäre jetzt erstmal meine zweite Wahl, weil es dann nicht mehr ganz frei geshaped ist!

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      1. Claudia

        Puh, ich glaube da sitz ich ewig… 🙂 Ist auch gar nicht so leicht den richtigen Moment beim Loben zu treffen. Sie hat mal kurz aufgesehen wegen einem Geräusch. Dann habe ich gelobt, aber ich war noch nicht einmal fertig, steckte der Kopf schon wieder in der Wiese…

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  2. Julia

    Klasse Artikel!

    Ich muss aber gestehen, bis zu deinem Artikel bin ich gar nicht auf die Idee gekommen, dass das mit manchen Pferden echt ein Problem sein könnte.
    Ich selber gehe mit meinen Pferden auf Gras genauso um wie auf Pflaster- oder Sandboden und abgesehen davon, dass man das Pferd am Ende des Trainings noch mit etwas gemeinsamen Grasen „belohnen“ kann, hab ich da bisher keine Unterschiede festgestellt außer dass meine Pferde Sandboden deutlich anstrengender und unangenehmer in der Nase finden als Gras/Erdboden.
    Außer im Großpferdestall, wo meine Pferde wochen- und monatelang kein Gras gesehen hätten wenn ich nicht regelmäßig mit ihnen zum Grasen an der Hand gegangen wäre, hatte ich da noch nie Probleme dabei, ein Pferd vom Gras weg zu kriegen oder dass sich das Pferd auch auf Gras auf mich konzentriert.
    Dass ein Pferd das Gras für wichtiger erachtet als mich Zweibeiner, die Momente kann ich an einer Hand abzählen und die hatten auch alle einen guten Grund aus der Perspektive meiner Pferde.

    Erst gestern musste ich mit meiner Stute zwei Stunden auf den Tierarzt warten und wollte sie in der Zeit gemütlich am langen Strick grasen lassen. Das hat nicht lang gedauert, da hatte sie keine Lust mehr auf Gras und stand dann einfach nur noch neben mir und hat gemeinsam mit mir gewartet. Hab sie dann gegen die Langeweile eine gute halbe Stunde lang gekrault und massiert, das fand sie klasse. Nase ins Gras? Fehlanzeige. Sie stand einfach da und hat die Gesellschaft genossen.

    Ist wohl auch eine Frage der Bindung zum Pferd und wie man sonst im Alltag mit seinem Pferd umgeht.
    Ich denke auch, je artgerechter man ein Pferd hält, umso weniger Probleme hat man auch mit sowas.
    Viele vergessen glaube ich, dass es einen Unterschied macht, ob ein Pferd einem in einem Großpferdestall brav und artig hinterher latscht und alle Lektionen unterm Sattel brav abrufbar sind, und ob das Verhältnis zum Pferd auch dann noch stimmt und es einem folgt und bei einem sein möchte, wenn genug Platz zum Ausweichen da ist, kein Halfter und kein Strick mehr da ist und das Pferd genauso gut auch bei der restlichen Herde sein könnte.
    Wenn das Pferd sich ehrlich freut, seinen menschlichen Freund zu sehen, dann kann das Gras auch zur Nebensache werden 😉

    *lg*

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    1. ponyliebe (Beitrag Autor)

      Das hast du wunderbar gesagt!
      Leider gibt es auch viele Rassen, die einfach nicht so viel aufs Gras können. Unsere Isis sind alters- und rassebedingt inzwischen höchst Rehe und Cushion gefährdet und damit ist das Gras immer das Beste, was man haben kann, besser, wie der Mensch.

      Aber ja – es ist trotzdem anders als im Großpferdestall mit 2h Gras, wenn überhaupt. An diese Zeit erinnere ich mich echt nicht gerne zurück 🙁

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  3. Pferdeflüsterei

    „Ausrasten vor Freude! – ich liebe dieses Lob! Ich raste so gerne aus, wegen tollen Sachen, die das Pferd macht und noch schöner ist dann die Reaktion des Pferdes. Das dann so einen Stolz entwickelt und wirklich glaubt, etwas gaaaanz gaaaaanz tolles gemacht zu haben. So süß! Aber bei deinem Artikel müsste man ja auch „ausrasten“ und mit Leckerli werfen 🙂 Ich finde ihn super. Werde ich mit meiner kleinen auch ausprobieren, wenn sie dann da ist. Also mit den Leckerli müssen wir mal schauen, aber geht ja auch ohne. Ganz liebe Grüße, Petra

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  4. Karo

    Ich finde es immer wieder toll, dass man deinen Texten die Freude und Begeisterung bei deiner Arbeit mit Rán anmerkt. 🙂 Und ich bin genau wie du davon überzeugt, dass man sein Pony auch ohne Click loben kann. Beim Longieren und Reiten clicker ich zum Beispiel nicht, sondern ich lobe Sleipi ganz viel mit der Stimme. Er versteht dieses Lob auch als Lob und freut sich darüber – und zwar ganz ohne Leckerli. 🙂

    Das Grasproblem kenne ich beim Clickern allerdings nicht. Da ist mein Pferd eigentlich immer die ganze Zeit voll bei mir – zumindest immer dann, wenn ich auch voll bei ihm bin. Fange ich zwischendurch an mit jemandem vom Stall zu quatschen, dann nimmt er auch den Kopf runter und frisst lieber, statt auf mich zu warten. Verständlich und nachvollziehbar. 🙂

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  5. Helen

    Hallo, danke für den Artikel! Aus gegebenen Anlass (Frühling+graswütigen Rasenmäher, der auf seine Linie achten muss) habe ich den Artikel noch mal herausgesucht, und wollte fragen – muss man dann immer mit tollen Leckerlis arbeiten, oder reichen nach einer Weile auch ‚Diätleckerli‘:)?
    Ich schaffe es schon, dass er den Kopf kurz hochmacht um sich was abzuholen, aber dass der Kopf längere zeit oben bleibt – unmöglich, und dann gibt es immer wieder doch Diskussionen und Tauziehen. Wie hast du das gemacht? Wie geht man mit dem Pferd in der Übergangszeit um, wenn es noch lernt? Man müsste dann ja mit dem Ausreiten warten, bis das Signal sitzt…
    Sorry, wenn das zuviele Fragen sind, es interessiert mich einfach, es ernsthaft einmal auszuprobieren, aber ich glaube ich mache es falsch …. lieben Dank:)

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    1. ponyliebe (Beitrag Autor)

      Aus meiner Erfahrung raus kommt es immer sehr aufs Pferd an, ob man irgendwann auch mit niedrigwertigerem Futter arbeiten kann. Ausprobieren macht klug 😛 Du könntest probieren die Phasen des Kopfhebens mit Lieblingsübungen zu verknüpfen, das hat bei Rán damals auch wahre Wunder gewirkt. Und automatisch wurden die Phasen länger und sozusagen doppelt bestärkt, weil sie eben die Aufgaben so gerne gemacht hat.
      Beim Ausreiten hatten wir das Grasenproblem nie so extrem – aber ich würde deswegen nicht drauf verzichten, sondern vllt eher vermehrt darauf achten, den Zügel nicht zu lang zu lassen, um somit von vornherein einer Grasensituation entgegenzuwirken 🙂
      LG
      Ann-Christin

      Antworten
      1. Helen

        erste mal liebes danke für die Information, und den Tipp:)! wir werden das, was du vorgeschlagen hast, probieren, aber vor allen dingen nehme ich mit aus dem was du gesagt hast, dass wir einen Profi brauchen, wenn ich nicht immer damit kämpfen möchte und das Pony sich das Maul ruinieren soll…:)
        trotzdem danke, die Methode, die du beschreibst, soll ja angeblich bei jedem Pferd funktionieren und ich weiß nie, ob ich es falsch mache oder ob das bei *diesem* einfach nicht klappen kann.. 🙂 LG und danke, Helen

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