Ponyliebe

Problemfrei durch den Sommer – Wasserschlauch, Einsprühen & Co trainieren

Mit den warmen Temperaturen kommen auch wieder schwierige Themen wie „Abspritzen“, „mit Fliegenspray einsprühen“ und „Wiesenwege meistern“ auf. Zappelige Pferde, nervöse Unruhe, zerrende Menschen – keine schöne Vorstellung. Wie du dir das diesen Sommer und für immer ersparen kannst, erkläre ich dir in dieser Serie. Den Anfang macht heute das Abspritzen mit dem Wasserschlauch.

Abspritzen mit dem Wasserschlauch

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Manche Pferde sind wahre Wasserratten und können von einem Wasserschlauch oder Wasser in jeglicher anderer Form ja gar nicht genug bekommen. Andere Pferde hingegen sehen im Wasser, v.a. aus dem Schlauch, den personifizierten Teufel und wollen sich der Situation einfach nur entziehen. Wasser lässt sich aber nicht immer vermeiden. Beine kühlen, wenigstens einmal im Frühling das Pferd waschen… Was also tun?

Am besten ist es, dem Pferd zu erklären, dass das Wasser gar nicht schlimm ist und die negativ beladene Situation positiv besetzen!

Wie geht das?

Das wichtigste ist: In ganz kleinen Schritten arbeiten, so dass die negative Einstellung nach und nach gelöscht wird und das Pferd in Ruhe lernen kann, dass Wasser und Abspritzen gar nicht so gefährlich sind.

Für jeden kleinen Schritt habe ich eine Frage überlegt, die du deinem Pferd stellen kannst. Auf die Frage „Traust du dich in der Nähe zu sein“ erwartest du als Lösung „Ja, ich traue mich hier zu sein“. Dieses Ja kann aber sehr zögerlich und in kleinen Schritten erfolgen, trotzdem ist jeder kleine Schritt in die richtige Richtung absolut lobenswert! Kann dein Pferd die Frage richtig beantworten, so belohnst du es ausgiebigst und zeigst ihm, wie sehr du dich freust und den Mut deines Pferdes bewunderst! Grüne Trolle zu besiegen ist nämlich für Pferde gar nicht einfach!

Wenn ich von Fragen in Kombination mit kleinen Schritten spreche, dann meine ich das so: Wenn du eine Frage stellst, dann muss sie so leicht zu beantworten sein, dass dein Pferd die Antwort schon vorher kennt und völlig ohne Druck, nur mit reiner Neugier eben diese Antwort anbieten kann! Ein gutes Beispiels ist die erste Frage beim Abspritzen: „Traust du dich, in der Nähe des Waschplatzes zu sein?“ – diese Frage stellst du eh schon in der Nähe (du steigerst dann die Nähe nur Schritt für Schritt), hinzu kommt die natürliche Neugier des Pferdes und schwuppdiwupp kann es die Frage superleicht beantworten –  mit einem klaren Ja!

Also: Nicht zu viel erwarten, sondern wiiiiiiirklich winzig kleine Schritte abfragen und antrainieren, so bleiben Spaß und Motivation erhalten und der Druck, etwas richtig machen zu müssen, ganz weit weg. Das begünstigt die Lernatmosphäre! <3

Schritt 1: Den Ort positiv belegen

Hier steht  an, dem Pferd den Waschplatz zeigen. Dabei fragst du dein Pferd folgende Dinge und belohnst richtige Antworten ausgiebig!

  • Traust du dich, in der Nähe des Waschplatzes zu sein?
  • Schaffst du es, dich am Waschplatz hinzustellen?
  • Kannst du dich dabei entspannen?

Jetzt ist erstmal der Ort positiv besetzt. Darauf kannst du nun aufbauen und nach und nach die einzelnen Schritte hinzufügen, die für das Abspritzen wichtig sind. Als erstes kommt also der Wasserschlauch dazu 🙂

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Schritt 2: Lernen, dass der Wasserschlauch kein Feind ist

 

  • Traust du dich, den Schlauch anzuschauen?
  • Kannst du dich ihm nähern?
  • Ist es ok, wenn ich den Schlauch bewege, solange du am Putzplatz stehst?

Die gruselige Gummischlange ist jetzt schon nicht mehr so angsteinflößend. An dieser Stelle würde ich auf jeden Fall eine Pause machen und an einem anderen Tag weiterarbeiten. Bedenke, dass dein Pferd schon sehr viel Mut zusammennehmen musste, um all diese Fragen mit Ja zu beantworten. Dieser Fortschritt muss sich erstmal setzen und dafür ist eine Pause am besten 🙂

Schritt 3: Das Wasser hinzunehmen

 

Nachdem nun sowohl der Ort positiv belegt ist (ein Ort, an dem man ständig Leckerli kriegt, kann nur positiv sein), sowie die Angst vor dem Wasserschlauch genommen, kannst du mit dem nächsten großen Schritt beginnen und das Wasser aufdrehen. Hier musst du nun sehr sehr behutsam vorgehen und total an dein Pferd angepasst weitermachen. Manche Pferde bleiben entspannt, ein anderes wiederum kriegt die Panik, wenn du nur Richtung Wasserhahn läufst. Daher sind meine Fragen auch sehr allgemein – deine eigenen Zwischenschritte musst du dir selbst setzen!

  • Wenn ich das Wasser ganz leicht aufdrehe, kannst du dann immer noch bei mir bleiben?
  • Kann ich das (leicht aufgedrehte) Wasser auch in deine Richtung spritzen?
  • Ist es ok, wenn ich deine Hufe mit dem Wasser anspritze?

Wenn dein Pferd damit einverstanden ist und es ruhig akzeptieren kann, dass du mit dem Wasserstrahl seine Hufe abspritzt, dann habt ihr gemeinsam schon so wahnsinnig viel erreicht! Ab diesem Zeitpunkt kannst du stetig versuchen, mehr vom Pferd abzuspritzen. Vergiss aber nie, dein Pferd immer ausreichend zu loben, überschütte es regelrecht mit Lob.

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Schwierigkeiten?

 

Wenn dein Pferd zurückschreckt, dann gehe einen Schritt zurück und frage etwas ab, was dein Pferd mit Ja beantworten kann und möchte. Damit meine ich nicht körperlich einen Schritt zurückzugehen, sondern eine Frage zurück, vielleicht auch zwei. Also erst wieder eine Frage finden, die dein Pferd gerne beantwortet, um dann langsam weiterzumachen. Es wird Tage geben, an denen geht gar nichts und auch das ist ok! Es wird auch Pferde geben, die sich nie an bestimmten Körperteilen abspritzen lassen werden und auch dann musst du diesen Raum geben und akzeptieren, dass das Pferd eine Grenze zieht.

Wichtig ist: In kleinen Schritten arbeiten, mit Engelsgeduld ausgerüstet sein, nur loben, nicht strafen und sich wirklich aus ganzem Haus freuen, wenn dein Pferd einen mutigen Schritt nach vorne gegangen ist!!

Bedenken musst du immer, dass jedes Pferd anders ist und es keine Universallösung geben kann. Daher ist dieser Beitrag auch sehr allgemein formuliert – du musst dir selbst noch überlegen, wie du das Training für dein Pferd gestalten kannst und solltest, damit auch ihr am Ende den ganzen Sommer über ohne Probleme mit Wasser umgehen könnt!

 

Fallbeispiel

– Mein Pferd geht zwar bis zum Waschplatz, aber ab dann geht gar nix mehr!

– Mein Pferd ist der Meinung, dass man Wasser absolut gar nicht tolerieren kann.

Was nun?? Nächste Woche werde ich die  Theorie aus diesem Artikel  in einem Fallbeispiel etwas praktischer erläutern 🙂

 

Lesetipps rund um das Thema Abspritzen:

Reitarena: Beschäftigt sich ebenfalls damit, wie  man nervöse oder unruhige Pferde das Abspritzen schmackhafter machen kann

Natürlich Pferd: Warum gerade bei Ekzemern Waschen und Abspritzen unumgänglich ist!

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12 Kommentare

  1. Saskia

    Guten Morgen Ann-Christin!
    Toller Artikel, vielen Dank! Ich versuche mein Pferd auch immer in kleinen Schritten an neue Dinge zu gewöhnen. Leider bekomme ich oftmals so Bemerkungen wie: „Wenn er da JETZT nicht rauf/rüber geht, dann gewöht er sich das an und wird es nie tun.“ zu hören. Mein Pferd hat es mir aber schon oft anders gezeigt und braucht einfach seine Zeit.
    Die Idee sich selber bzw seinem Pferd kleine Fragen zu stellen, ist klasse. Unbewusst mache ich das auch, aber ab jetzt versuche ich das auch mal im Kopf zu formulieren. 🙂
    Ich freue mich schon auf den nächsten Teil. Tolle Idee! Liebe Grüße Saskia

    Antworten
    1. ponyliebe (Beitrag Autor)

      Liebe Saskia,
      vielen lieben Dank für dein Lob! 🙂
      Ja, die gehobenen Augenbrauen kenne ich…aber oft kommt man mit Druck nur in eine Sackgasse oder noch schlimmer: In eine Spirale, die nur abwärts führt 🙁 Grad bei Rán ist es wichtig, ihr Zeit zu lassen und zu akzeptieren, dass sie sagt, wann es weitergeht. Haben wir erst wieder beim Inhalieren gemerkt, erst als wir den unbewusst aufgebauten Druck wegnehmen konnten, hat es funktioniert und seitdem gab es auch kein Problem mehr.

      Das mit den Fragen hat mir vor allem darin geholfen, ganz klar zu sein und genau zu wissen, was ich als nächstes mache! 🙂

      Erzähl mir doch, wie es dir damit geht!

      Antworten
      1. Saskia

        Hi Christin,

        hab es heute gleich mal probiert und meinem Pferd Wingardio auf die Weise die gruseligen Ecken gezeigt 🙂 Er hat mich selber überrascht. Mit Minischritten und Fragen in meinem Kopf stand er völlig ruhig in allen drei sonst so gruseligen Ecken drin. Eigentlich habe ich nicht viel anders gemacht als sonst (viel Ruhe, viele Pausen, viel darauf schauen, wie seine Reaktion ist) , außer halt konkrete Fragen zu formulieren und seine Antwort abzuwarten.
        – Ist es ok, wenn ich in die Ecke gehe und Dich alleine lasse?
        – Magst Du ein Stück näher kommen?
        – Fällt es Dir leichter, wenn ich mich hinhocke
        – Können wir hier gemeinsam stehen?
        – Magst Du die Ecke alleine erkunden?
        – Ist es ok, wenn ich wieder gehe?
        Also, nochmal vielen lieben Dank für den Denkanstoß! Viele Grüße, Saskia

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        1. ponyliebe (Beitrag Autor)

          Oh wie schön!! Weißt du warum? Weil du jetzt ganz klar warst und auch deine Körpersprache dann klar war 🙂

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  2. Sabine

    Ganz wunderbarer Artikel! Meine Ponys sind auch nicht gerade Wasserratten 🙂 Besonders das Schwarze nicht ! Wer hätte das vermutet;-) und das wo die Kinder so gerne die Ponys waschen. 🙂 Da können wir ja nächstens zusammen üben, das es auch für die Ponys etwas angenehmer ist und sie es nicht nur über sich ergehen lassen…..

    Passt übrigens ganz wunderbar zu meiner Seite Medical Training, die ich gerade in Arbeit habe. 🙂 Manchmal hat man doch auch ganz ähnliche Ideen.

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    1. ponyliebe (Beitrag Autor)

      Ach wie witzig 😉
      Aber typisch, dass dein kleines Hasenherz sich auch vor dem Wasserschlauch fürchtet 😀 Weiß er eigentlich, dass er ein unerschrockenes Islandpferd ist?? 😀
      Berichte mir doch mal, wie es läuft! Oder schreibs einfach gleich auf deinen Blog – ich bin super gespannt!!!

      Antworten
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