Ponyliebe

Légèreté und Tölt?

Am vergangenen Wochenende war ich für einen Tages-Töltkurs auf dem Hof Pfaffenbuck in Ansbach angemeldet.

Fast alle unsere Ponys kommen von diesem Hof, deswegen fahre ich auch super gerne dort hin – zum einen kennen die Besitzer unsere Rasselbande noch sehr gut, zum anderen ist die Form der Ausbildung unseren Nasen vertraut. Leider konnte ich meine Rán nicht mitnehmen, lustigerweise ritt ich aber trotzdem eine Rán (und was für eine tolle Maus das war – leider fand sie die Idee hinter meinem Auto her nach Hause mitzulaufen eher doof, deswegen steht sie immer noch dort)

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Insgesamt waren wir 9 Teilnehmer, die meisten mit eigenem Pferd.  Zweimal je 45 Min Reitstunde stand auf dem Plan, und zwischendrin den anderen Teilnehmern zuschauen und lernen. Die waren alle richtig gut, was mich etwas nervös gemacht hat. In der Vormittagsrunde hatte ich Glück, ich war Nummer 9 und damit alleine! Also extra viel Aufmerksamkeit für mich und meine tausend Fehlerchen. Mein Muskelkater freut sich auch über so viel Aufmerksamkeit Ziel einer jeden Stunde war natürlich: Taktklarer Tölt. Was sich so einfach hinhört, ist es aber nicht – jeder Reiter eines Nicht-Naturtölters weiß genau, was ich meine. Die 3-Gangpferdereiter erinnere ich an ihre ersten Trabversuche, die sicher weder schwungvoll noch losgelöst waren 😉 Aber wie komme ich nun zu diesem Endziel? Andrea Christl, unsere Trainerin, hat genau gesehen, wo es bei wem hakt – bei mir in erster Linie an der Erfahrung (unsere Rán ist in gesunden Jahren von alleine getöltet, ich hab nur das Tempo reguliert) und an meinen Händen. Hm, da hab ich ja schon erstmal geschaut! Sonst wurde ich doch für meine Hände immer gelobt und meine Beine waren das Problem…

Demi-Arret?!

Die Rán dort töltet auch sehr schnell sauber an, aber man muss schon was tun. Und genau das war so mega spannend für mich: Ich sollte mit Hilfen der Légèreté den Tölt erarbeiten und erhalten. Wenig bis kaum treibende Hilfen mit den Beinen, sondern mehr aus dem Becken und der Körperspannung. Im Mittelpunkt für mich stand das sogenannte demi-arret.

Guérinière beschreibt diese halbe Parade wie folgt:

„Die erste Wirkung, mit der Hand nachzugeben, um das Pferd vorwärts gehen zu lassen, ist eine Bewegung, die durch Absenken der Hand und eine etwas abwärts gehende Drehung der Nägeln bewirkt wird. Die zweite Wirkung, das Anheben der Hand, erfolgt,
indem man sie dem Körper nähert und mit etwas aufwärts gedrehten Nägeln nach oben führt. Diese letzte Hilfe dient dazu, ein Pferd anzuhalten oder eine halbe Parade zu geben
oder es auch Rückwärts gehen zu lassen.“ [Über die Reitkunst]

In unserem Fall war es eben die halbe Parade, die dann eingesetzt wurde, wenn das Pferd begonnen hat, sich auf das Gebiss zu legen und sich nicht mehr selbst zu tragen. Das demi arrêt wird benutzt um ein Pferd anzuheben, das mit dem Kopf zu tief und damit mit dem Gewicht auf die Vorhand kommt (außerdem kann man es auch zum Anhalten und Rückwärtsrichten einsetzen). Am wichtigsten ist jedoch, das eine richtige Reaktion des Pferdes sofort mit einem Sinkenlassen der Hand (Descente de main) belohnt wird. Andrea erklärt es uns so: Wenn wir am Zügel nach hinten ziehen, verformt sich das Gebiss zu einem V, welches die Zunge beengt. Führen wir die Zügelhand leicht nach oben (und nicht im geringsten nach hinten), so wirken wir auf die Maulwinkel ein. Dadurch wird die Hilfe präziser. Wichtig ist natürlich, dass kein dauerhafter Zug entsteht, sondern nur ein kurzes „Ruckeln“ (das dürfte wieder jedem Tölter bekannt sein) – nur eben nicht nach hinten-oben, sondern nur nach oben.

An dieser Stelle hieß es früher immer: Setz dich mehr nach hinten, Schenkel ran, treiben, klatsch mal die Gerte auf den Po und vorne ziehst du rhythmisch (???) nach hinten. Pferd zwischen den Hilfen einrahmen, dann macht es das nicht mehr…
Ihr könnt euch vorstellen, dass das mit viel Kraftaufwand verbunden ist und nur mäßig funktioniert. Am Ende solcher Stunden sind für gewöhnlich beide fix und fertig und sonderlich freudig wohl weder Pferd noch Mensch.

Dieses Demi Arret war da für mich wie eine Offenbarung. Ich hab in den Stunden viel mit Stimme und eben solchen Paraden gearbeitet und hatte dadurch stellenweise (wirklich nur stellenweise, ein Wunder ist nicht geschehen) einen so lockeren Sitz, dass ich zum ersten Mal gespürt habe, ob das Pferd im Tölt eine Pass- oder Trabverschiebung bekommt.

Mehr davon! Am liebsten gleich

Wenn es auch nur ein kleiner Einblick in die klassischere Richtung war, so hat mir dieser genügt, um zu wissen: Da will ich mehr lernen, das interessiert mich. Fan von FN- Reiterei war ich ja noch nie, es muss mehr geben, als das. Und dieses mehr – das will ich suchen, lernen, verstehen und bewerten!

 

Lesetipps:

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