Ponyliebe

Du clickerst?!!!!

Wer beim Lesen der Überschrift eine innere entsetzte Stimme gehört hat scheint ihn schon zu kennen: Diesen Satz, mit dieser einen Betonung – und dem einen Folgesatz, der immer kommt. Ist dein Pferd dann nicht schrecklich aufdringlich??

Nein, ist es nicht!

In meinem Fall: Nicht mehr als sonst auch, in vielen Situationen schon weniger als früher. Manchmal schlimmer. Denn – ich bin ein Mensch, ich mache Fehler. Ich lasse mich manchmal von Rán an der Nase herumführen, ich bin nicht immer 100% bei der Situation, ich lasse mich ablenken. So ist das nunmal. Das ist nicht schlimm  – schlimm wäre es, wenn ich mir das nicht eingestehen könnte!

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Aber: Rán ist das einzige Pferd am Stall, welches nicht am Stalltürchen (Stalltürchen in einem Offenstall bedeutet immer: Eintritt zur Fressoase der Glückseligkeit) steht und bettelt. Wenn sie da überhaupt mal steht, dann mit Abstand und aus reiner Neugier. Inzwischen hat sie auch gelernt, dass es wenig bringt, mich anzubetteln oder aufdringlich zu sein. Alte Verhaltensmuster lassen sich trotzdem nicht löschen, wenn man nur einmal die Woche clickert. Aber wenn man hartnäckig dran bleibt (Stichwort: Höflichkeit) , dann ist ein Clickerpony NICHT aufdringlich!

Ich weiß, ich bin nicht die erste mit diesem Thema. Sabine hat erst vor kurzem darüber geschrieben. Von Babette und Tania gibt es dazu schon lange einen guten Post. Ebenso von vielen anderen tollen Seiten, wie beispielsweise von Tanja. Aber immer wieder lese und höre ich diesen einen Satz und es bringt mich beinahe zum Platzen. Deswegen muss auch ich hier meinen Senf dazu abgeben!

Ich glaube, insgeheim sind sich so ziemlich alle meine Pferdefreunde (also die Menschen, mit denen man tagelang nur über die Fellnasen reden kann und ernst genommen wird) einig: Ich bin die Leckerlitante. Die, die nicht reitet, sondern nur „so’n Quatsch“ mit ihrem Pferd macht. Die nicht ernsthaft mit ihm arbeitet und auch keine Turniere geht. Die, die praktisch Kiloweise Leckerli verfüttert – pro Pferdbesuch. Der Tag, an dem sich diese Meinung einmal ändern wird, den werde ich wohl nie vergessen!

Denn eigentlich ist es so: Das Clickern verbindet uns. Noch nie war ich einem Pferd so nahe, habe so viele Frusttränen vergossen, Selbstzweifel erlitten, nur um beim nächsten Mal vor Liebe überzulaufen und Freudensprünge zu machen. Zu sehen, was Rán alles für mich macht, berührt mich. Zu wissen, dass dies lediglich Ruhe, Konsequenz und zwei bis drei Möhren braucht, begeistert mich. Zurückblickend zu erkennen, wie sehr mich das Clickern beeinflusst und verändert ( im positiven Sinn ) macht mich glücklich.

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Und all diese Menschen mit ihren Gedanken, mit den festgefahrenen Meinungen und der Angst vor einem Blick über den Tellerrand hinaus (auf die Bedürfnisse des Pferdes) sind mir auf einmal völlig egal! Stattdessen wünsche ich ihnen allen Mut. Ich will niemanden zum Clickern zwingen, sicher mag das auch nicht jedes Mensch-Pferd-Paar glücklich machen. Aber ich würde die Menschen am liebsten dazu zwingen sich nicht so viel zwingen zu lassen! So viel aufzwingen zu lassen. Nicht nur die großen Tageszeitungen zu lesen, sondern auch die kleinen Blogs, die Twitterbeiträge, alle Möglichkeiten und Kanäle zu nutzen, die es gibt, um sich eine EIGENE (und echte. stabile. sichere) Meinung zu bilden. Und zwar nicht nur zum Clickern…

 

Tja, so kann es gehen. Wenn man sich ein wenig den Frust von der Seele schreibt, dann geht es plötzlich gar nicht mehr ums verfressene Pony 😉 Wer sich auch Frust von der Seele schreiben möchte, darf sich eingeladen fühlen, dies in der Kommentarbox zu tun!

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8 Kommentare

  1. Rosi

    Ich bin bei uns im Stall auch die einzige die clickert und mach eben mein Ding, blöde Kommentare kommen Gott sei dank keine. Ganz im Gegenteil 😉 letzes jähr war die pferdewaage bei uns im Stall und ich hatte keine Zeit und eine Freundin aus dem Stall hat gesagt sie macht das gern und alle dachten, ahhh der richie der geht da sicher drauf 😉 naja dem war nicht so, der „junge“ Mann dachte nicht im Traum daran da drauf zu steigen…. Dann kam meine Freundin auf die Idee,….Rosi die streckt die Faust immer so auf die Seite und dann kommt kommt der Herr pferd und stupst die Faust an (handtarget) :))) tja und so haben sie den richie auf die Waage manövriert :))) irgendwie war ich gerührt :))))

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    1. annibirdy

      Awwwwwww…da bin ich auch gerührt! 🙂

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  2. pfridolinpferd

    Ich mag das, was ihr beiden tut. Und das liegt nicht nur am Leckerli-Beutel 😉

    P.S.: Rán hat tolle Ohren <3

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    1. annibirdy

      Gaaaaaaaaanz kuschelig sind die <3

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  3. Diva

    Ich werde auch beklickert ! Meinem Frauchen ist 3s egal was andere sagen und denken. Blöde Kommentare zum klickern gibts immer mal wieder . Leute die sich drüber lustig machen haben den Sinn des klickern nicht verstanden und es selber noch nie ausprobiert ! Liebe Grüsse Diva ,

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    1. annibirdy

      Haste Recht! 🙂

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  4. Stefanie Rosenthal

    Ich möchte das Clickern auch gerne starten.
    Finde jetzt aber den Anfang nicht.
    Wie starte ich denn?
    Dakota ist 2,5 Jahre und beherrscht etwas horsemenship. Konnte mich aber noch garnicht auf eine Art entscheiden. Ich habe ein bisschen von allem angefangen was mein Bauchgefühl mir gesagt hat..
    Aber das Clickern hört sich toll an. Da kann mein Hund gleich mitmachen..

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    1. annibirdy

      Hallo Stefanie – gute Entscheidung 😛 Ich habe hier auf dem Blog eine Rubrik „Grundlagen“, die hilft dir ganz bestimmt schonmal weiter 🙂 Und sonst empfehle ich dir mal in meiner Linkliste zu stöbern – all die Blogs, die ich da erwähne, haben mir immer schon sehr sehr gut geholen! Außerdem gibt es auf Facebook (falls du da bist) eine Gruppe, die heißt „Clickern mit Pferden“, die ist auch sehr hilfreich (und listet auch alle Trainer nach Postleitzahl sortiert auf). Desweiteren empfehle ich dir den Clickerkurs von Babette Teschen udn Tania Konnerth oder die Bücher/DVDs von Viviane Theby. Damit bist du wirklich rundum informiert 🙂

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